Die Bringschuld des Politikers

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Wer sich durch entsprechende PARTEIzugehörigkeit selbst zur christlichen Nächstenliebe verpflichtet, sollte auch entsprechend handeln. Denn an ihren Werken werden wir erkennen, inwieweit sie ihren Grundsätzen treu sind.

Wer dann allerdings die im Verfassungsrang stehenden Menschenrechte wie jenes auf Arbeit, sowie gerechte und befriedigende Entlohnung mit Füßen tritt, indem die Ersatzleistungen im Falle von unverschuldeter Erwerbslosigkeit in Misskredit (Anm.: siehe Schonvermögen) gebracht werden, der steht im Verdacht, nicht einmal seine eigenen Grundsätze zu beachten.

Dieses Verhalten ist bekannt: „Der Reiche ist kein Guter“ und auch jene sind gieriger als andere, die sich selbst einer höheren Schicht zugehörig fühlen. So darf es uns nicht wundern, wenn vorsorglich Schuldige gesucht und im Arbeitslosen gefunden werden, um nicht (christlich) teilen zu müssen. Es ist ein leichtes Spiel, denn dieser steht ja bekanntlich ZUERST im Verdacht, unrechtmäßig zu handeln. Deshalb ist es für Politiker, die für RECHT & ORDNUNG zu sorgen haben die erste Pflicht, mit dem Finger auf diese Rechtsbrecher hinzuweisen. Um Vorkehrung zu treffen für künftiges Fehlverhalten soll auch die Strafe nicht zu kurz kommen.

Doch wie so oft haben Vorverurteilungen kurze Beine, wie jene Lügen, die uns täglich und medial wirksam auf dem Frühstückstisch präsentiert werden.

Denn ZUERST besteht dieses erwähnte Recht auf Arbeit, das insbesondere durch die Bedingungen eines internationalen (Steuer-)Wettbewerbs und durch Nicht-Teilen-Wollen der Begünstigten für Viele unerfüllt bleibt. Die unfreiwillig Erwerbslosen sind somit die mehrfach Ausgegrenzten, die zudem noch in fast schon national geübter Tradition mit Schuld beladen werden sollen. Damit kann die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen fern gehalten werden: vom gar nicht so gerechten System jenseits von FAIRteilung durch Bemühungen um Vollbeschäftigung.

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Es gilt, mit Vehemenz jene rechtlichen Rahmenbedingungen zu verteidigen, die die Flucht des Steuer vermeidenden Finanzkapitals dahingehend begünstigen, höhere Renditen in den Weiten der Finanzhimmel zu finden als in der regionalen Realwirtschaft vor Ort. Die so durch fehlende Investitionen in Arbeitsplätze um ihre Erwerbsarbeit beFREIten dürfen indes die nationalen Grenzen nur überschreiten, wenn sie Arbeit im Ausland suchen oder auf ihre Ersatzarbeitsleistung in Form sozialer Einkünfte verzichten.

Die Welt ist ungerecht, gewiss. Doch wer sich grundsätzlich zu Werten verpflichtet, die im Naheverhältnis von Gerechtigkeit stehen, der sollte sich täglich darum bemühen, diese in seinem Handeln zu berücksichtigen. Andernfalls sehen sich Erwerbslose nicht einmal am Tag der Arbeitslosen von Arbeit befreit, zu der sie sich – nicht nur – moralisch verpflichtet fühlen.

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Ein Gedanke zu “Die Bringschuld des Politikers

  1. Mit Erlaubnis von Mag. Richard Spindler darf ich diesen Kommentar von ihm hier veröffentlichen:

    Das Problem ist, dass dieses neoliberale Wirtschaftssystem eigentlich mit den Grundprinzipien der Demokratie nicht mehr viel gemeinsam hat und die Ursache für die Entsolidarisierung und Entfremdung der Menschen ist. Es widerspricht sich ja förmlich. Alles wird nur mehr dem Markt, der Effizienzsteigerung und der Gewinnmaximierung unterworfen. Wenn du da nicht mitspielst bzw. mit kannst, bist du aus der Gesellschaft und dem System draussen. Wertschätzung, Anerkennung, Teilhabe an der Gesellschaft von allen Gesellschaftsgruppen, gleiche Aufstiegschancen und Entwicklungschancen für alle erodieren zunehmend. Die Mittelschicht bricht langsam weg. Das System geht in ein neofeudales, oligarchisches Finanzelitenmodell über mit Wenigen, die immer mehr besitzen.

    Wir brauchen daher ein neues Wirtschaftsmodell mit wieder mehr Ausgleich, auch für die immer mehr werdenden Globalisierungsverlierer, die ja aus lauter Frust über ihre Lebensumstände dann aus Protest rechts wählen, weil auch die früheren Linken ja keine Antwort mehr bieten und stattdessen dieses Wirtschaftssystem unterstützen.

    Veränderungsvorschläge kommen auch immer wieder vom anerkannten Rechtsanwalt und Wirtschaftsökonomen Tassillo Valentin (Krone, 7. Mai 2017: Illustrierten Teil) in seinen wöchentlich erscheinenden Artikeln: „Offen gesagt“. Auch eine Einstiegsmöglichkeit, sich mit diesem Thema befassen zu können.

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